Pfingstradtour 2018

Pfingstradtour auf dem „platten Land“

Für die schon traditionelle Pfingstradtour der Gruppe Kolping 40 plus der Kolpingsfamilie Everswinkel mit Initiatorin Gerda Fögeling hatte man sich in diesem Jahr Emden und Umgebung ausgesucht. Ein wahrlich plattes Land, von dem Spaßvögel behaupten, man könne morgens schon sehen wer nachmittags zum Kaffeetrinken kommt. Ein Novum in diesem Jahr: Die Seehafenstadt Emden blieb über alle Tage Ausgangspunkt für die Tagestouren. Die größte Stadt Ostfrieslands, unter anderem auch bekannt als Geburtsort der ostfriesischen Komiker Otto Waalkes und Karl Dall zeigte sich von ihrer besten Seite: Herrliches Wetter, malerische Winkel und maritimes Flair am Hafen.

 

So traf sich dann am Samstag vor Pfingsten um 10:00 Uhr nach individueller Anreise eine Gruppe von 15 Personen am zentral gelegenen Hotel und machte sich sogleich startklar für die erste von drei Sternfahrten. Gerda Fögeling hatte bei der Organisation der Pfingsttour tatkräftige Hilfe: Walter Herding, der bei der Hotelauswahl und der Restaurants für das Abendessen ein glückliches Händchen zeigte und Cheforganisator Thomas Mielisch, der die Tagestouren inclusive Einkehrmöglichkeiten hervorragend ausgearbeitet hatte und dann die Gruppe souverän durch die ostfriesische Landschaft führte.

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Das Ziel der ersten Tour war Leer. Nachdem die Gruppe die Stadt Emden verlassen hatte, ging es über Teile des Dollart-Radweges nach Petkum. Bummeln war auf dieser Teiletappe nicht angesagt, da rechtzeitig die Emsfähre nach Ditzum erreicht werden musste. Diese nostalgische kleine Motorfähre wurde bereits vor über 90 Jahren auf der Meyer-Werft in Papenburg gebaut und bedeutet für Radler und auch Autofahrer eine erhebliche Zeit- und Wegersparnis. Nach dem Übersetzen ging es dann gemütlich weiter zu einem Garten- und Hofcafé, wo ostfriesische Kuchenspezialitäten genossen wurden. Frisch gestärkt ging es dann weiter die Ems entlang nach Bingum, wo abermals die Ems – dieses Mal über eine Brücke – überquert wurde, bevor kurze Zeit später Leer erreicht wurde. Nach kurzer Einkehr konnte die Gruppe beim Durchqueren des Städtchens einige schöne Eindrücke des malerischen Ortes gewinnen. Der Rückweg nach Emden führte ebenfalls über ruhige Straßen durch die von vielen Kanälen durchzogene schöne ostfriesische Landschaft. Nach knapp siebzig Kilometern freuten die Radler sich auf ein stärkendes Abendessen und ein kühles Blondes.

Nach einem guten Frühstück erfolgte am Pfingstsonntag um 09:00 Uhr der Start zum nächsten Tagesziel: Greetsiel. Natürlich hatte Thomas Mielisch nicht den direkten Weg gewählt, sondern eine attraktive Alternativroute Richtung Nordsee, die zunächst in das kleine Warftdorf Campen führte. Die dortige reformierte-evangelische Campener Kirche geht in ihrer Bausubstanz auf das späte 13. Jahrhundert zurück. Die Gruppe hatte das Glück, diese Saalkirche aus Backstein auch von innen besichtigen zu können und zeigte sich beeindruckt von dem gut erhaltenen Gewölbe und der reich verzierten Kanzel. Die Glocke aus dem Jahre 1295 gehört zu den ältesten Glocken Ostfrieslands. Der weitere Verlauf des Weges führte an dem Campener Leuchtturm vorbei, der übrigens der höchste Leuchtturm Deutschlands ist. Dann kam man zum Deich, der das Land vor der Nordsee schützt. Voller Erwartung auf das Meer wurde die Deichkrone erklommen und was sah man? Nichts – ausser Schlick. Trotzdem war der Weg am Deich entlang sehr schön. Wenn auch wenig von Seeluft zu spüren war, so hatten die Ausflügler auf jeden Fall aromatisierte Luft wegen der Hinterlassenschaften von Hunderten von Schafen in der Nase. So wurde dann Greetsiel erreicht, das touristische Zentrum von Krummhörn. Krummhörn ist zum Einen die Bezeichnung für die Landschaft zwischen Emden und der Leybucht und zum Anderen der Name der politischen Gemeinde, zu der neben Campen und Greetsiel weitere 17 Dörfer zählen. Bei der Ankunft im tideunabhängigen Hafen Greetsiels sang ein Shanty-Chor – allerdings nicht nur für die Radler, sondern für viele der Tausenden von Besuchern, die sich bei dem herrlichen Pfingstwetter auf den Weg in den Ort gemacht haben. Zum Glück hatte der Tourguide Mielisch in einem Restaurant Plätze reserviert, ansonsten wäre das Mittagessen wohl ausgefallen. Bevor der Heimweg Richtung Emden angetreten wurde, wurde dem Wahrzeichen des Ortes, die Greetsieler Zwillingsmühlen, noch ein kurzer Besuch abgestattet. Auf dem Rückweg frischte der Wind, der bis dahin kaum zu spüren war, etwas auf und reduzierte das Tempo der Truppe. Es ist zu erwähnen, dass von den fünfzehn Radlern immerhin noch sieben ohne die heute schon fast übliche elektrische Unterstützung unterwegs waren. Dank gegenseitiger Rücksichtnahme war die Gruppe immer geschlossen unterwegs. Bevor die Radler nach fast sechzig Kilometern wieder das Hotel ansteuerten, nahmen sie sich noch Zeit für eine verdiente Tasse Kaffee.

Am Pfingstmontag, dem Tag der Rückreise nach Everswinkel, wurden nach dem Frühstück zunächst die Zimmer geräumt und das Gepäck verstaut, bevor es auf die letzte Fahrt ging: Die Tour zum Großen Meer. Das Große Meer ist ein Niedermoorsee mit einer Wassertiefe von nur cirka einem Meter. Das Besondere an diesem See ist, dass der Wasserspiegel wegen der künstlichen Entwässerung der Landschaft etwas mehr als einen Meter unterhalb des Meeresspiegels liegt. Der See ist rund achtzehn Kilometer von Emden entfernt. Der Weg dorthin führt aus der Stadt heraus an einer besonderen Rarität vorbei: Die Emder Kesselschleuse ist ein einzigartiges Bauwerk in Europa. Die Rundkammerschleuse verbindet gleich vier Wasserstraßen mit unterschiedlich hohen Wasserständen. Der Schleusenverkehr mit vielen Yachten wurde natürlich ausgiebig beobachtet. Der Weg verlief dann parallel zum Ems-Jade-Kanal und bot herrliche landschaftliche Eindrücke. Viele der Teilnehmer meinten, dass diese Tagestour mit fünfunddreißig Kilometern zwar die kürzeste Strecke aufzuweisen hatte, aber landschaftlich am reizvollsten war. Nach einer kurzen Rast erfolgte die Rückfahrt nach Emden, wobei zwei Mal Kanäle mit Fähren überquert werden mussten. Diese Fähren mussten von den Radlern selbst per Muskelkraft in Bewegung gesetzt werden. Zurück in Emden erfrischte die Gruppe sich noch mit einem leckeren Eis, bevor die individuelle Rückfahrt nach Everswinkel erfolgte. Als Fazit für alle Teilnehmer bleibt: Ein wunderschönes Pfingstwochenende mit schönen Radtouren in herrlicher Umgebung, hervorragendes Wetter, geselliges Beisammensein, perfekte Organisation und gerne wieder im nächsten Jahr!