Kolping40plus -Pfingstradtour

Mit dem Rad unterwegs auf alten Bahntrassen oder Mit dem Rad unterwegs „wie auf Schienen“

Fahrrad fahren im Sauerland? Als Flachlandtiroler und eingefleischter Pättkesfahrer macht man sich im Vorfeld schon seine Gedanken. Nichtsdestotrotz traf sich am Samstag vor Pfingsten eine Truppe von zwölf Personen nach individueller Anreise morgens um 10 Uhr im sauerländischen Schmallenberg, das als Start- und Zielort der diesjährigen Pfingstradtour der Gruppe Kolping 40 plus der Kolpingsfamilie Everswinkel auserkoren war.

Natürlich waren alle Damen und Herren der Gruppe angesichts der Prognosen auch auf widrige Wetterverhältnisse vorbereitet. Das Gewitter und der heftige Regen kurz vor dem Start löste noch einmal heftige Bedenken aus. Um es vorwegzunehmen: Während aller Tourtage herrschte einwandfreies Radwetter; statt Regenkleidung waren eher Sonnencreme und Sonnenbrille gefragt.

Befahren wurde der 84 Kilometer lange SauerlandRadring, der in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag feiert, sowie die seit 2012 angeschlossene HenneseeSchleife, deren 40 Kilometer eine attraktive Erweiterung des Rundkurses darstellen. Die erste Etappe führte also von Schmallenberg nach Finnentrop. Thomas Mielisch, der mit seiner Frau Hannelore alle Teilstrecken vorab gefahren war und auch mögliche Rastplätze erkundet hatte, erledigte seine Aufgabe als Tourführer hervorragend. Auf mögliche Gefahrenpunkte wies er vorher hin, machte auf Sehenswürdigkeiten aufmerksam und führte zielsicher zu den von Walter Herding gebuchten Unterkünften. Auch die Wahl des ersten Streckenabschnitts von 35 Kilometern erwies sich zur Einstimmung als richtig, zumal auch der Zielort rund 180 Höhenmeter niedriger lag als der Startpunkt. Am Pfingstsonntag wurde nach einem guten Frühstück um 09:30 Uhr die zweite Etappe von Finnentrop nach Meschede mit einer Länge von 50 Kilometern in Angriff genommen. Nun ging es zunächst aber lange Zeit bergauf bis man den höchsten Punkt der Strecke von 410 Metern über dem Meeresspiegel erreicht hatte. Aber der Anstieg erfolgte moderat auf bestens ausgebauten Strecken. Somit war es für die E-Bike-Fahrer sowieso, aber auch für die verbliebenen fünf Radler mit konventionellem Antrieb – also reiner Muskelkraft – eine durchaus gut zu bewältigende Strecke.

Die Besonderheit des SauerlandRadrings ist nämlich, dass ca. 34 Kilometer auf ehemaligen Bahntrassen verlaufen. Die Ende des achtzehnten beziehungsweise Anfang des neunzehnten Jahrhunderts gebauten Bahnstrecken verhalfen dieser Region im Sauerland zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung, der eine erhebliche Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen zur Folge hatte. Doch nur für kurze Zeit in den sechziger Jahren verkehrten auf diesen Strecken auch Züge von überregionaler Bedeutung. Die weiter fortschreitende Motorisierung machte die Bahnstrecken für den Personalverkehr unrentabel, so dass dieser in 1966 eingestellt wurde. Der Güterverkehr erfolgte auf einigen Strecken bis zur Jahrtausendwende. 1995 baute die Gemeinde Finnentrop einen Teil der alten Bahntrasse zu einem Fahrradweg um. Andere Gemeinden folgten diesem Beispiel und in 2007 war der Radweg komplett. Zahlreiche alte Bahnhofsschilder, Andreaskreuze, Eisenbahnsignale, ein alter Waggon und die bereits erwähnte moderate Steigung weisen auf die ehemalige Nutzung dieser Strecken hin. Am höchsten Punkt dieser Teilstrecke kommt man zum fast 700 Meter langen Kückelheimer Tunnel, bekannt auch als „Fledermaus Tunnel“. Den Namen gaben diesem Tunnel die Tiere, die hier ihren fünf Monate dauernden Winterschlaf halten. Deshalb ist der Tunnel auch immer von Anfang November bis Anfang April abgeschlossen; eine Umleitungsstrecke für die Radler besteht. Nach dem Aufstieg bis zum Tunnel kam nun die Belohnung für die Truppe: Über mehrere Kilometer konnte man es wieder einfach rollen lassen und dabei die abwechslungsreiche Landschaft geniessen.  Genossen wurde aber auch die mittägliche Rast und die Verpflegung fester und flüssiger Natur vornehmlich durch Gerda Fögeling und Hannelore Mielisch während kleinerer Pausen. Am Nachmittag wurde das Etappenziel in Meschede erreicht: Die Abtei Königsmünster. Diese Abtei der Benediktiner unterhält in Meschede ein Gymnasium mit rund 700 Schülern. Nachdem die Zimmer und die Betten bezogen waren, führte der Weg zur Abteigaststätte, wo ein herrliches Kuchenangebot die Radler erfreute. Am letzten Tag der Tour kam es beim Aufstieg zum Hennesee zu einigen größeren Herausforderungen, die aber durch das Schieben des Rades bewältigt werden konnten.

Die Kraftanstrengung wurde belohnt durch einen herrlichen Ausblick von der Staumauer auf die Stadt Meschede und auf den See. Beeindruckend auch die „Himmelstreppe“: Eine 328 Stufen zählende Treppe vom Fuße der Staumauer bis zur Krone, beim Aufstieg stets den Himmel im Blick. Der Weg der Radgruppe führte nun auf einem idyllischen Weg am Stausee entlang. Auf den letzten Kilometern von Bremke bis Schmallenberg ging es wieder über einen hervorragend ausgebauten Trassenteil der alten Bahnstrecke, von dem man auch wieder herrliche Ausblicke auf die schöne Landschaft hatte. Nach dem Verstauen der Räder auf die Pkws und einem letzten Gruppenfoto machten sich die Radler wieder auf den Heimweg nach Everswinkel. Die einhellige Meinung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Eine von allen Verantwortlichen bestens organisierte Tour, eine wunderbare Fahrradstrecke, geselliges Beisammensein und das beste Tourwetter seit Jahren!